Die Sachsenpresse

Die Sachsenpresse wurde in der DDR erfunden. Das war zu der Zeit, als der Deutsche Staat, hier vertreten durch die DDR unser Hotel beschlagnahmt hatte, damit sich die treuen Staatsdiener der Deutschen Volkspolizei, Staatssicherheit und kasernierten Volkspolizei kostenlos in unserem liebevoll aufgebauten Familienhotel Deutsches Haus R. Zobel in Göhren erholen konnten. Die Stasi-Aktion-Rose-1953 hatte es dem Deutschen Staat und seiner willigen Justiz ermöglicht, die Eigentümer der größten Ostseehotels als Wirtschaftsverbrecher deklariert, von der Insel Rügen zu verweisen. So war unser Hotel von 1953 bis 1991 vom Ministerium des Innern der DDR beschlagnahmt.  Normale „werktätige Bürger“ hatten dann auch keine Möglichkeit, einen Hotelurlaub an der See zu machen. Dieser staatlich gewollte Notstand führte dazu, dass an den kleinen, nicht beschlagnahmten Privathäusern an der Ostsee kleine Anbauten vorgenommen wurden. Zunächst vielleicht deklariert  als Schweinestall oder Hühnerstall, die dann später doch an Privatgäste vermietet wurden. Unsere Freunde aus Dömitz an der Elbe berichteten uns nach Bayern:

„Wir sind jedes Jahr privat auf die Insel Rügen gefahren. Am Meer haben wir nichts bekommen, aber weit im Hinterland bei Garz in einem kleinen Dorf. Denn so gute Beziehungen hatten wir nicht, einen regulären Urlaubsplatz beim  Freien Deutschen Gewerkschaftsbund zu bekommen. Wir hätten nur auf dem Campingplatz übernachten können und selbst ein Zelt mitbringen müssen. So haben wir mit unseren beiden Kindern in einem ausgebauten Schweinestall eine Unterkunft bekommen mit Doppelstockbetten. 4 Personen auf etwa 10 qm, Pumpe im Hof mit Plumpsklo. Und Selbstversorgung. Das waren die sogenannten SACHSENPRESSEN, möglichst viele Sachsen wollten gleichzeitig in den Schulferien an die See. Erst wurden möglichst viele Sachsen in die engen Unterkünfte gepresst, dann wurde ihnen am Ende der Ferien möglichst viel Geld abgepresst. Und alle waren dankbar, dass sie überhaupt einen Urlaubsplatz auf Rügen ergattert hatten und sie waren dankbar, dass sie gleich für das nächste Jahr wieder buchen konnten. Wenn wir Glück hatten und an den freien Gaststätten lange genug angestanden haben, wurde uns ein Platz zugewiesen. Dann konnten wir uns mal bedienen lassen. Aber das war selten.“

Die DDR ist untergegangen, zum Leidwesen vieler Staatsdiener, die fast kostenlos Ostseeurlaub machen konnten. Die DDR gibt es nicht mehr und wir haben 1991 die Trümmer unseres weitgehend staatlich ruinierten Hotels zurückbekommen. Im Hotel Hauptgebäude waren zu DDR-Zeiten 55 Betten an Volkspolizeiangehörige und ihre Familien vermietet. Im Bad stand ein Eimer, Schrubber, Scheuertuch und Besen.

Heute haben wir unser Hotel wieder in eigener Regie. Wo einst 55 Betten standen, vermieten wir heute 24 Betten an unsere Hotelgäste. Und die Zimmer werden täglich von unserem Personal gereinigt. Kein Gast muss Eimer, Schrubber, Scheuertuch und Besen selbst im Urlaub bewegen. Unsere Hotelzimmer sind nun mit Dusche/WC, Zentralheizung, Telefon, SAT-TV, Radio, Fön, Kaffeemaschine, Wasserkocher und teilweise mit Kühlschrank und Spüle ausgestattet.

Die SACHSENPRESSE gibt es bei uns nicht mehr.

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