Der ungeduldige Lehrherr

Der Wirt des Stralsunder Bahnhofshotels, Max Zipperling, war wegen seines ungeheuren Leibesumfanges berühmt. Dieser hinderte ihn aber nicht daran, ein tüchtiger und erfolgreicher Gastwirt und Hotelier zu sein. Wieder einmal hatte ein neuer Lehrling seinen Dienst angetreten. Er zeichnete sich durch großen Eifer und Tätigkeitsdrang aus. Immer wieder stellte er sich vor den Chef und fragte: "Und was soll ich nu machen, Herr Zipperling?" Zipperling hatte die Vorbereitungen für eine große Hochzeit im Kopfe und keine Zeit für den Lehrling. "Putz' die Messingstangen vom Treppenläufer." Nach einer dreiviertel Stunde stand der junge Mann wieder da. "Herr Zipperling, was soll ich nu machen?" Zipperling war leicht gereizt. "Füll' die Essig- und Salzbehälter auf den Tischen nach."  Zwanzig Minuten später wieder: "Herr Zipperling, was soll ich nu machen?"  Da platzte dieser: "Meinetwegen halt den blanken Arsch zum Fenster raus, aber laß' mich in Ruh'!"  Der Jüngling verschwand leicht verwirrt, kehrte aber nach einer Viertelstunde zurück. "Was soll ich nu machen, Herr Zipperling?"  Der sah ihn argwöhnisch an. "Was hast du denn zuletzt gemacht?"  "Na, was Sie mir gesagt haben: ich hab' den blanken Arsch aus dem Fenster gehalten."  Zipperling faßte sich stöhnend an die Stirn. "Und was haben die vorbeigehenden Leute gemacht?"   "Ach, die haben bloß den Hut gezogen und gesagt: ,Guten Morgen, Herr Zipperling!'"

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