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Die Hundehochzeit
Als mein Hund gerade 1 Jahr alt war, hat er geheiratet. Das war 1994.
Er ist
ein Schäferhund-Irisch-Setter-Mischling. Also nichts Edles. Aber eben ein
echter Poke, also ein alteingesessener Mönchguter Stamm. Ein echter
Poke sei nur noch er, teilte mir bei unserer 1991 durch die Deutsche Einheit
und die teilweise Eigentumsrückgabe, der Göhrener Bürgermeister mit. Ein
echter Poke ist, wessen beide Elternteile in der 3. Generation auf der
Halbinsel Mönchgut geboren sind. Da war im Fernsehen mal die Rede von
Inzucht auf Mönchgut. Das hat aber der Pastor gesagt, nicht ich, und schon
garnicht der Bürgermeister von Göhren, der auch so hieß, wie die häufigsten
Namen auf Mönchgut, die der Pastor im Fernsehen aufgezählt hat. Das Haus
wollte man dem Pastor anzünden nach der Fernsehübertragung, dann hat man
sich aber doch nicht getraut.
Also ein echter Poke ist mein Hund, beide
Elternteile sind in mindestens der 3. Generation auf der Halbinse Mönchgut
geboren. Etwas Edles, weil es so selten vorkommt, daß Generationen auf der
kleinen Halbinsel Mönchgut heimisch bleiben. Als ich eines Abends von
einer Versammlung der Kurverwaltung Göhren in unser Hotel zurückkam,
erklärte meine Mutter: "Gerade habe ich den Hund in den Garten gelassen, der
sollte Dich bei der Rückkehr begrüßen, jetzt habe ich nur noch den schwarzen
langen Schwanz gesehen, der ist die Carlstraße bergan gelaufen, sicher zu
seiner Feundin an der Waldpromenade."
Ich ging sofort hin, die Carlstraße
entlang, rechts in die Elisenstraße, links in die Gartenstraße, das Haus an
der Waldpromenade. Die Waldpromenade war 1991/92 um 45 gesunde Bäume
beraubt worden. Eine Gemeinderätin hat entgegen des Einigungsvertrages über
die Gemeinde Göhren und einen CDU- Funktionär noch nach der Rückforderung
und lange nach der "angeblichen Wende" ein sehr großes Grundstück gekauft,
ca. 1500 qm. Der notarielle Kaufvertrag wurde im November 1990 geschlossen,
also lange nach der Deutschen Einheit und der "angeblichen Wende" zum
Besseren. Weit gefehlt! Um hier freien Blick aufs Meer zu haben, wurde
die große Anzahl von Bäumen ausgeholzt. Nun hatte man den freien Blick aufs
Meer. Und das mitten im "Biosphären-Reservat Süd-Ost-Rügen", also reinstes
Naturschutzgebiet. Die trauen sich was!
Mein Hund war schon immer ein
Genießer. Ich sah ihn schon von weitem. Er genoss den Blick aufs Meer, freie
Sicht bis nach Saßnitz und die Kreidefelsen. Als ich näher kam, sah ich,
daß er gerade geheiratet hatte. Seine Freundin, eine bedauernswerte
Schäferhündin, die ihr Leben lang an der Kette hing und außen gerade einen
Kreis von 2 Metern ziehen konnte, stand Rücken an Rücken mit meinem
Genießerhund. Sie hatte den Kopf in südlicher Richtung in die Hundehütte
gesteckt. Richtung Norden der lange schwarze Schäferhund-Schwanz. Sie
jaulte.
Mein Echter Poke, der Genießerhund, blickte aufs freie Meer, an
der abgeholzten Waldpromenade von Göhren nach Norden. Sein langer schwarzer
Schäferhund-Schwanz war mit dem langen schwarzen Schäferhund-Schwanz seiner
nun wohl verheirateten Freundin zusammengekringelt. Rücken an Rücken standen
sie schon, als ich um die Ecke bog. Nun hörte ich, daß beide Hunde vor sich
hin jaulten. Keiner verließ den Platz.
"Muß das unangenehm sein, wenn
beide die langen schwarzen Schäferhund-Schwänze so zusammengekringelt
haben, daß sie dazu jaulen!" Es dauerte eine geraume Zeit, bis die langen
schwarzen Schäferhund-Schwänze sich wieder auseinander wickelten. Nun
waren wohl beide verheiratet.
"Wenn das Heiraten so unangenehm ist, daß
die Leute dazu jaulen müssen, dann bleibe ich lieber
Junggeselle!"
Die Frau von meinem Hund ist schon vor Jahren gestorben.
Nun ist er Witwer und lebt bei mir. Von seinen vielen kleinen schwarzen
Schäferhund-Kindern ist keines mehr am Leben. Es wären doch "Echte Poken"
gewesen!
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